„Ich habe heute leider kein (Kinder-) Foto für dich!“ – oder doch?

Kinderbilder im Internet – das ist eine schwierige Sache, die möchte gut überlegt und nachvollziehbar begründet sein. Vor sich selbst, vor allem vor dem betreffenden Kind. Die Initiative Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht. hat die Blogparade #medienmomente initiiert und stellt (bloggenden) Eltern Leitfragen. Wir sind die persönlichen Datenschützer unserer Kinder! Ich finde, diesen Job müssen wir Eltern so kompetent wie wir nur können erledigen.

Wie gehe ich mit visuellen Medien meiner Kinder im alltäglichen Leben um?

Als das erste Kind gerade geboren war, wurde ich sofort mit diesem Thema konfrontiert: „Schick mal ein Bild per WhattsApp!“. Wir haben – wie wohl viele Eltern, den Geburtsgruß an eine überschaubare Zahl von Freunden gesendet, noch im Krankenhaus. Doch schon bald wurde mir klar, dass nicht alle Menschen, denen ich Bilder meiner Kinder sende, das gleiche Verständnis von Bildrechten haben wie ich. Ungefragt werden Bilder an Freunde von Freunden weitergeleitet, oder ich erhalte Bilder von befreundeten Kindern, auf denen mir unbekannte Kinder zu sehen sind. Ob deren Eltern damit einverstanden sind, dass das Bild des Kindes an eine ihnen fremde Person gesendet wurde, dass weiß ich dann nicht. Das hat mich wirklich nachdenklich und skeptisch gemacht. Relativ kurz nach der Geburt meines ersten Kindes hat sich in Bezug auf das Versenden von Bildern eine Art „Geiz ist geil – Mentalität“ bei mir breit gemacht. Ich schicke nicht jedem ein Bild, der ein Bild der Kinder möchte. Punkt. Wir sind uns da als Eltern einig. Es gibt einige wenige Menschen, denen ich wirklich häufig Bilder sende, dazu gehören die Oma und wenige enge Freunde. Für mich besteht die Gefahr einfach darin: Was ist, wenn die Person ihr Telefon verliert? Was passiert, wenn die Person das Telefon nicht so sichert, wie ich meins vor (Daten) Diebstahl? Was, wenn dann genau das Bild meiner Kinder, in fremde Hände gerät?

Das sind sehr wichtige Punkte für mich, warum ich sehr geizig mit Bildern meiner Kinder bin. Bilder ihrer Gesichter gibt es keine im Netz. Wir wollen sie da einfach schützen. Selbst ein WhatsApp Status ist mit einem Screenshot schnell für immer digital gesichert ohne mein Wissen. Das gleiche gilt für Bilder bei Instagram, egal ob im Feed oder in den Stories. Facebook bietet direkt die Option, das Bild herunterzuladen. Bei Instagram ist es im Feed über entsprechende Screenshots oder Re-Posting-Apps ein Kinderspiel, Bilder weiter zu verbreiten. Mir wurden bereits Bilder digital entwendet – und ich bin froh, dass es sich nur um landschaftliche Bilder handelte, wo erstmal keine Persönlichkeitsrechte im Spiel waren. Auf einer Tagung wurden von mir Bilder gemacht, auf denen nur ich im Fokus des Bildes stand, und diese in einem völlig anderem Zusammenhang auf einer mir fremden Webseite veröffentlicht. Auch wenn ich die Fälle jeweils zu meinem Gunsten lösen konnte – ich war stinksauer und mir wurde einmal mehr bewusst:

Nicht alle Menschen haben das gleiche Verständnis von Bildrechten, so wie ich es habe.

Im öffentlichen Raum gelten Persönlichkeitsrechte – das ist nicht jedem bewusst, ab wann jemand nur Beiwerk im Bild ist, oder der Mensch im Fokus steht und damit seine Persönlichkeitsrechte geltend machen kann.

Bilder von Kindern in  KiTa und Schule – ein Problemfeld fernab von datenschutzkonformen Lösungen

Kommt das Kind in die KiTa, erhält man in der Regel ein Schriftstück, auf dem es um Öffentlichkeitsarbeit der KiTa, bzw. des Trägers geht. Unbedacht haben wir damals ausgefüllt, dass zur Veröffentlichung in Presseerzeugnissen Bilder der Kinder gemacht werden dürfen. Wir haben die Erlaubnis dann widerrufen, und der Grund ist simpel: Jeder Zeitungsartikel wird digitalisiert, das Bild landet also im Web. Dazu hat der Träger unserer KiTa eine Social-Media-Präsenz – was ich absolut in Ordnung finde – aber warum soll da mit den Bildern meiner Kinder für den Träger geworben werden? (…für die ohnehin nicht ausreichend vorhandenen KiTa-Plätze – es besteht ja nicht das Problem, dass die KiTa nicht voll genug wäre… und selbst wenn: Wenn es um Profit geht, dann soll der Träger das Geld für professionelle Image-Bilder bitte selbst in die Hand nehmen, und keine Alltagsbilder meiner Kinder posten. Man sieht diese lieb gemeinten Schnappschüsse häufig bei Tageseltern, die sich und ihre Dienstleistung einfach verkaufen müssen.) Ich stehe auch diesen digitalen Bilderrahmen, die in vielen KiTas Alltag sind, sehr skeptisch gegenüber: Ich möchte nicht, dass Großmutter oder Tante X, wenn sie ihr Kind abholen, den Alltag meines Kindes sehen. Wozu auch? Das hat für mich nichts, aber rein gar nichts mit Medienbildung oder professioneller Mediennutzung zu tun. Abgesehen davon bin ich mir sicher, dass der Datenschutz der Bilder in vielen Fällen nicht gewährleistet ist. Also die Sicherstellung durch die KiTa, dass die Bilder unkopierbar und „unklaubar“ gespeichert sind.

Wir hatten in diesem Zusammenhang ein unschönes Erlebnis, als ein KiTa-Fotograf beauftragt wurde, Bilder der Kinder zu machen. Das war eine deutschlandweit agierende Firma, die Sub-Fotografen in die KiTas gesendet hat. Mal abgesehen von der fehlerhaften Fotoerlaubnis wurden die Bilder dann an das nächste Unternehmen weiter gegeben. Man händigte den Eltern ‚ganz bequem‘ eine Mappe aus mit den Druckerzeugnissen (die viele nicht nehmen und die dann in den Müll wandern) und einer Karte. Auf dieser Karte war ein Passwort und ein Zugang zu letzterer Firma, wo die Bilder der Kinder OHNE vorherige elterliche Einwilligung online gespeichert waren, damit die Eltern die Bilder ‚easy peasy‘ nachbestellen oder herunterladen konnten. Dort jemanden ausfindig zu machen, der auf meine Anweisung die Bilder meiner (dann schon zwei) Kinder löscht, war mit einigen Hürden verbunden. Ich habe mich damals auch beim Datenschutzbeauftragten des Landes Thüringen ob der Praxis erkundigt. Eine Anzeige habe ich nicht erstattet, weil der Auftraggeber in Haftung kommt – also die KiTa-Leitung – und erstmal nicht der Fotograf, bzw. das Unternehmen, dass so skandalös arbeitet. Für die KiTa war es ein Lernprozess, für uns Eltern auch. Das Thema wurde im Elternbeirat besprochen und seitdem war kein Fotograf mehr in der KiTa. Was zwar traurig ist, aber ich denke, (einige) Fotografen müssen sich diesbezüglich professioneller aufstellen. Was mich aber im Nachgang sehr schockiert hat: Es gab nur wenige Eltern, die ähnliche Bedenken ob der virtuellen Datenspeicherung ohne Erlaubnis hatten. Die Mehrheit fand den ‚Service‘ toll, und es war ein größeres Problem, dass die Bilder ihrer Kinder einfach nicht schön genug waren. In meinem Augen umso schlimmer, dass die Bilder auf virtuellen Datenbanken lagern, wo ich keinen direkten Zugriff habe als Mutter oder Vater, und erst auf vielfache Nachfrage dafür Sorge tragen konnte, dass die Bilder (ja auch die Gruppenbilder wo mein Kind mit drauf war) gelöscht wurden.

Sind Eltern Vorbilder im Umgang mit digitalen Medien?

Lieder häufig nein. Die Möglichkeiten Bilder aus dem Internet zu laden, zu kopieren, zu speichern, zu versenden usw. – die waren auf einmal da und viele Menschen nutzen das. Es ist ein bisschen wie mit dem Autofahren: Die Straßenverkehrsordnung gibt es erst, seitdem viele Menschen diese Mittel zur Fortbewegung nutzen. Dem voraus ging zunächst die Nutzung einer kleineren Menge von Menschen. Erst als viele Menschen im Straßenverkehr unterwegs waren, brauchte es Regeln und Vorschriften für den Umgang, damit keine Unfälle entstehen. Ähnlich ist das heute mit der DSGVO – ein Thema, das mich derzeit privat und beruflich viel beschäftigt. Daten waren auf einmal da, wir nutzen sie, und je mehr Verstöße gegen ethische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Normen damit in Verbindung kamen, umso mehr brauchte es einer einheitlichen EU-Verordnung zum Umgang mit dem Datenschutz. Was das ab 25.05.2018 dann in der Realität bedeutet ist ein ganz anderes großes Thema.

Die Eltern, die heute die digitalen Medien selbstverständlich nutzen, haben den Umgang damit eigentlich nicht gelernt. Die machen das einfach. Das erlebe ich immer wieder, wenn ich im Rahmen meiner Tätigkeit in der Öffentlichkeitsarbeit mit Akteuren Aussagen höre wie: „Na Bilder kann man doch einfach nehmen!“ – Das Thema Urheberrecht wird oft missachtet. Wenn ich sehe, wie viele Produktbilder auf Ebay oder in Foren einfach hochgeladen werden, dann wird mir immer wieder klar, dass die Menschen keine Medienkompetenz und keine Achtung vor digitalem Eigentum besitzen. Meinen Eltern habe ich dazu auch erst ein paar Hinweise geben müssen, bis sie verstanden haben, warum mir der Datenschutz, die Achtung des Urheberrechts und vor allem die Persönlichkeitsrechte meiner Kinder so wichtig sind. Dieser lachse Umgang mit Bildrechten betrifft vor allem die Persönlichkeitsrechte der Kinder. Dabei gibt es zahlreiche Hilfen und Wegweiser für Eltern [respektive InternetnutzerInnen im Allgemeinen] und die Web-Nutzenden Jugendlichen. Auf der Seite klicksafe.de gibt es eine Vielzahl an Wegweisern für Eltern und Jugendliche. Wenn jedes im Web geteilte Bild vorher den Fragen-Zirkel des Flyers „Zu nackt fürs Internet“ durchlaufen würde, wären viel weniger fragwürdige Kinderbilder im Netz unterwegs. Die Webseite „Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht.“ stellt eine Vielzahl an Handreichungen sowie Know-How bereit- kostenfrei. Die Landesmedienantstalten haben das Thema zunehmend in ihrem Repertoire und haben einen Medienkompetenzbericht mit Projekten der Länder veröffentlicht (wenn auch schon fast zwei Jahre alt…). Der Kinderkanal hat ein eigenes medienpädagogisches Format nur für Eltern entwickelt.

Und was ist mit Oma & Opa oder Familienangehörigen?

Das fängt beim Bild an, das ich der Oma gesendet habe und das dann in ihrem WhatsApp Status auftauchte, wo es Menschen sehen können, die ich nicht annähernd kenne oder deren Hintergrund und Medienverständnis ich einschätzen kann. Wir haben darüber gesprochen, und es werden keine Bilder der Kinder mit Gesicht mehr gepostet. Wenn Oma und Opa ihren Freunden im Status etwas zeigen möchten, dann kommen eben diese Sticker drauf. Damit sind sie virtuell dabei und die Kinder trotzdem geschützt. Die Bilder mit Gesicht können sie gern ihren Freunden zeigen – aber eben nur zeigen und nicht senden und vervielfältigen oder zum Screenshot preisgeben. Diese Debatten führten wir ein paar Mal mit der näheren Verwandschaft. Es ist wichtig, dass man abspricht, was man als Verantwortliche für das Kind bereit ist zu tolerieren. Das Gesetz und Recht ist da ja ganz klar an meiner Seite als Mutter / Vater  in Sachen Urheberrecht oder Persönlichkeitsrechte meines Kindes. Mit dem Papa spreche ich die Veröffentlichung der Bilder, bei denen ich mir unsicher bin, grundsätzlich ab. Das gilt auch für alle veröffentlichten Blog-Texte. Ich habe meine Wege die Bilder der Kinder in meinen Blog mit einzubeziehen, ohne meine Kinder direkt zu zeigen. Perspektive ist dabei alles. Außerdem gibt es gute Apps um Bilder so zu bearbeiten, dass keine Kinder mehr erkennbar sind, aber der Bildkontext trotzdem erhalten bleibt. Ich liebe Instagram, ich liebe Stories und die Möglichkeiten über WhatsApp mit Freunden (! nicht Bekannte oder Arbeitskontakte – die sind bei mir gesperrt für den WhatsApp-Status) in Kontakt zu bleiben, das schätze ich sehr. Der Punkt ist und bleibt: ICH LIEBE ES – Nicht meine Kinder lieben das Internet, dessen Möglichkeiten oder die Bilder, die ich online stelle. Daher ist mein Ziel, zwar über mein Leben als Mama in der Provinz zu bloggen, mit all den Herausforderungen und Themen, die mich als Mutter beschäftigen, aber die Kinder außen vor zu lassen. Sowohl visuell, als auch mit personenbezogenen Daten, die sie betreffen. Den Namen zu nennen, ihre Persönlichkeitsrechte – darüber kann ich als Mutter nicht bestimmen, das bleibt für immer bei ihnen. Ich möchte mich nicht rechtfertigen müssen vor Fragen wie:

Mama, warum wissen das alle von mir? Warum hast du nicht den Mund gehalten? Warum hast du das Bild gezeigt, wo ich wütend auf dem Boden liege und weine? Warum hast du meine ausgelaufene Windel an mir präsentiert? Warum fandest du es lustig, mich so unvorteilhaft zu zeigen?  Und überhaupt Mama: Wie sprichst du da über mich? War es diese Likes wert? Ich liebe dich doch auch ohne Likes!

Ich liebe dich bedingungslos Mama – auch ohne virtuelle Likes von fremden Menschen!

Ich habe das immer im Hinterkopf, wenn ich blogge. Mein Kind liebt mich, und ich liebe mein Kind. Also schütze ich es, so gut ich kann, und lenke den Fokus auf für mich relevante Themen, und nicht ausschließlich auf meine Kinder. Und dennoch werden die Kinder in einer digitalisierten Welt groß, auf die ich sie, so gut ich kann, vorbereiten und in die ich sie begleiten werde. Das liegt schließlich jetzt auch in meiner Verantwortung als Mutter / Vater.

Ab wann dürfen Kinder mit digitalen Medien selbst umgehen?

Das ist eine sehr individuelle und in meinen Augen schwierige Entscheidung. Es gibt bestimmte Empfehlungen für sicheren Mediengebrauch oder Altersbeschränkungen für Apps, diese sollten eingehalten werden. Eine der größten Messenger-Apps – WhatsApp – ändert im Mai die Nutzungsbedingungen und ist dann erst ab 16 Jahren erlaubt. Viele Eltern verstehen, wenn man in den Kommentarspalten mit liest, diese Entscheidung nicht und meinen, sie können schon selbst entscheiden, was ihr Kind darf, oder eben nicht. In meinen Augen Irrglaube. Jugendschutz ist da, um die Jugend zu schützen. Ich glaube es ist ein wichtiger Schutzmechanismus, und Messenger, die kostenfrei innerhalb der Familie genutzt werden können, gibt es auch noch andere. Wer einmal einen Jugendlichen getröstet hat, der per WhatsApp beleidigt oder gemobbt wurde, der begrüßt vermutlich die Entscheidung des Unternehmens. Facebook testet in den USA bereits eine Art eingeschränktes Facebook für u12-Jährige – das kann ich am Ende nur begrüßen.

Meine Kinder sind momentan fast drei und fünf Jahre. Wir haben kein Tablet und sie haben noch keine Spiele-Apps auf dem Telefon gespielt. Warum nicht? Weil wir der festen Überzeugung sind, dass das nichts mit Medienkompetenz zu tun hat. Das ist für mich nur das, was der Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger als „Wischkompetenz“ bezeichnet. Kinder wissen schnell, wie man sich auf dem Smartphone von A nach B wischt – aber ist das Medienkompetenz? Ganz klares Nein von meiner Seite. Dieses von A nach B kommen, das hat die Oma fix gelernt, da ist nicht der frühe Kontakt entscheidend – das haben wir ja alle intuitiv schnell drauf gehabt, als die Smartphones auf den Markt kamen. Das, was ich als medienkompetent empfinde, meint andere Dinge: Wissen wie ‚kostenlose‘ Apps ihr Geld einbringen, wissen welche Inhalte geteilt werden können, wissen wann etwas eine Urheberrechtsverletzung oder eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts ist, das u.v.m. ist für mich Medienkompetenz – da brauchen meine Kinder noch nicht möglichst früh Zugang zu meinem Smartphone. Und ja: Die wissen schon, dass man da auch Filmchen oder Bildchen schauen kann – und das kleine Kind weiß auch wie es angeht, aber sie nutzen es nicht, weil wir die Teilchen aus unserm Alltag mit den Kindern noch viel heraus halten. Sie wissen aber, dass Oma auf Youtube Tutorials findet um krasse Papierflieger zu bauen oder dass die Mediathek nur mit Internet funktioniert (Sonntags immer noch ein seltenes Gut hier in der Provinz – Stichwort Netzausbau). Wenn sie irgendwann (#siewerdensoschnellgroß) diese Dinge für unseren Alltag brauchen – dann werden sie eine für Kinder optimierte Varianten erhalten. Das gleiche gilt für Spielkonsolen oder Sprachassistenten. Die haben wir hier nicht. Auch wenn ich gern manchmal Alexa an meiner Seite hätte, wenn der fast Fünfjährige mir tausend Löcher in den Bauch fragt „Was ist der größte Dino? | Wo ist das älteste Werkzeug? | Wie groß ist das Weltall? …usw.“ -ja da würde ich gern sagen:

Ach frag doch Alexa!

Da aber die Ersteller dieser Sprachassistenten diverse Patente vorhalten, zum Beispiel um zu analysieren wer da spricht, in welcher Stimmung er ist, was er gerade fühlt, um dann gezielt Werbung schalten und aktivieren zu können, oder Gesundheitsapps mit den Infos zu speisen – da möchte ich diese Dinger nicht in meinem Haus wissen und vor allem nicht da, wo die Kinder jederzeit Kontakt mit ihnen aufnehmen können. Das finde ich schon ganz schön spooky – nicht umsonst hat Amazon zum x-ten mal den Big Brother Award bekommen. Den Preis gibt es von anerkannten Online-ErpertInnen für missachteten Datenschutz. Aber zurück zum Bildthema.

Kann man Familien-, Mama- oder Papablogs ohne Kinderbilder führen?

Ein klares „Ja!“ von meiner Seite. Zumal im Hobby-Blog-Bereich. Ich bin keine Bloggerin, die ihren Blog monetarisieren möchte. Hauptberufliche BloggerInnen leben andere Ideale und leben in anderen Zwängen. Die meisten, die das wollen und schaffen, die machen eine sehr gute und wertschätzende Arbeit ihren Kindern gegenüber. Diese BloggerInnen verdienen ihr Geld nur, weil sie seriös sind. Keine Firma kooperiert mit ElternbloggerInnen, die ihre Kinder bloßstellen oder in peinlichen Situationen zeigen. Vermarktung läuft über ein positives Image – auf beiden Seiten. Im Prinzip benötigen die Kinder dieser BloggerInnen eine Arbeitserlaubnis, wenn sie regelmäßig vor der Kamera stehen, da hinter vielen Bildern sehr harte Arbeit steckt – und ja: Auch vom Kind. So hat es mal ein Experte einer Landesmedienanstalt beschrieben. Bis ein Foto „so schön“ aussieht, wie einem die ‚Insta-Mama-Gang‘ oft vorlebt, braucht es meistens viele Versuche. Da ist man dann schon fast im Modell-Bereich für Kinder-Modells – da gelten strenge Jugendschutzbestimmungen – die seriösen, „großen“ Accounts und Blogs wissen das auch. Das sind dann eben nicht die Bilder, die mal eben als Schnappschuss nebenbei entstehen.

Im Freizeit-Hobby-Bereich gibt es eine große Zahl von Blogs, die auf frontale Kinderbilder verzichten oder Ausschnitte zeigen. Es gibt BloggerInnen, die ihre Kinder sehr reflektiert zeigen (auch mit Gesicht) und das für mich nachvollziehbar begründen. Aber es gibt auch bloggende Eltern, die mehr als nur unkenntliche Ausschnitte oder seriöse Bilder ihrer Kinder zeigen. Wo jedes Detail gezeigt wird, wo jede Situation veröffentlicht wird, wo intime Momente der Kinder (nicht die von den Eltern) preis gegeben werden. Von der ersten Sandkastenliebe oder dem ersten Schiss auf´s Töpfchen – mit Bild – die Vorgesetzten der Kinder werden sich später mal freuen, den Lebensweg detailliert nachvollziehen zu können, vor allem wenn die Eltern die Namen dazu mit preis geben. Das ist in meinen Augen verantwortungslos. Man versperrt dem eigenen Nachwuchs damit geradezu Berufe, wo es auf Vertraulichkeit und Zurückhaltung ankommt. Will ich von meinem Anwalt wissen, wann er seinen ersten Kuss im Sandkasten hatte? Nö! Will ich von dem Polizisten gegenüber wissen, wann er seine erste richtige Wurst ins Töpfchen gemacht hat und wie groß die war? Nö! Möchte ich von meiner Ärztin wissen, wann sie wütend auf der Straße lag, weil sie eingepullert oder den Wutanfall ihres Lebens hatte und nicht mehr weiter laufen wollte (mit Bild)? Nöhööööö! Ich empfinde es respektlos dem eigenen Kinde gegenüber, in solchen Situationen Bilder zu machen und diese zu veröffentlichen.

Dann sind da noch die vielen Menschen, die einfach nur so auf Instagram und Co dabei sind, ohne Blog im Hintergrund. Die gerne diese Medien zur Interaktion nutzen. Hier muss – wie auch bei den BloggerInnen – jeder selbst wissen, was er wie und aus welchen Gründen teilt. Und was er wie vor seinem Kind später mal gut rechtfertigen kann.  Da spielt Medienkompetenz eine große Rolle – die haben die einen mehr, die anderen weniger. Genauso wie Achtung und Respekt vor ihren Kindern… Ironie mag für den Moment witzig sein (für wen eigentlich?) – aber im Netz für immer konserviert?

Wenn man in Gruppen auf Facebook unterwegs ist, oder in den Kommentarspalten auf Instagram ein bisschen quer liest, dann wird einem teilweise schlecht, wie offen Eltern alles von ihren Kindern preis geben. Neben Bildern verletzen auch die personenbezogenen Daten in manchen Kommentaren die Persönlichkeitsrechte. Wenn man mal schaut, wie leichtfertig Bilder gepostet werden – oder ganz schlimm: Votings für süße Kinder auf den Seiten von Einkaufspassagen für Gutscheine – die Einzigen mit einem Nutzen sind da die kommerziellen Marketer (mehr Interaktion = mehr Reichweite = mehr Macht!). O.K. – vielleicht auch kurzfristig die Eltern mit ihrem 150,00 Euro Gutschein für den nächsten Einkauf… Aber dafür das Kind für immer im Netz wissen? Nein Danke. Das Profilbild auf Facebook mit dem Nachwuchs, das Bild auf WhatsApp vom Kind – was ich als Profilbild persönlich immer befremdlich finde – denn ich bin ich – und mein Kind ist mein Kind – das hat also nichts im Profil zu suchen – denn das ist ja mein Profil.

Ich respektiere dennoch, wenn Eltern sich dafür entscheiden ihre Kinder reflektiert zu zeigen. Nur sie selbst müssen das vor ihrem Kind rechtfertigen können. Die ersten Klagen gegen Eltern, die Bilder ihrer Kinder, auf Wunsch der Kinder, nicht aus dem Netz nehmen wollten, gab es bereits. Ich vermute mal, es werden mehr werden in den kommenden Jahren. ‚Sharenting‘ – wie dieses Phänomen auch bezeichnet wird (von „to share“ & „parenting“) – wird die Gesellschaft immer mehr beschäftigen. Die DSGVO bietet Menschen online das „Recht auf Vergessen werden“ in Bezug auf die Speicherung von Daten bei Firmen usw. – aber geht das überhaupt im Privatbereich, wenn wir so freizügig mit unseren Informationen umgehen?

 

Welche Verantwortung tragen Eltern & wie können Kinder im digitalen Alltag mitbestimmen?

Fakt ist:

Jedes Kind hat das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit.

Dafür tragen wir Eltern die Verantwortung. Und damit auch dafür, dass keine die Kinder bloßstellenden und denunzierenden Inhalte im Web landen, und schon gar nicht durch uns selbst! Weder ironische, despektierliche oder sonst wie die Kinderseele verletzende Inhalte. Der digitale Raum ist da genauso mit eingeschlossen, wie der lebensweltliche Alltag im Real-Life!

Wir können die Kinder ab einer gewissen Kommunikationsfähigkeit mit einbeziehen. Also dann, wenn sie überhaupt eine vage Vorstellung davon haben, was „virtuell“ und „öffentlich“ eigentlich bedeutet. Bis dahin trage ich als Mutter oder Vater bis zum 18. Lebensjahr die volle Verantwortung. Kinder ab 12 Jahren müssen vor jeder Veröffentlichung mit einbezogen werden. Sie müssen also aktiv zustimmen, bei der Veröffentlichung von Bildern – so steht es zumindest in den Ratgebern des BMFSFJ, die ich für meine berufliche Praxis nutze. Kurz zusammengefasst: Bis 12 sind die Eltern alleine verantwortlich zu entscheiden, ob (bildliche) Infos über ihre Kinder veröffentlicht werden, ab 12 -18 Jahren müssen Kind und Eltern der Veröffentlichung zustimmen, erst danach erhält der dann junge Erwachsene die volle Hoheit über seine Persönlichkeitsrechte in eigenständiger Verantwortung. Bis dahin agieren wir Eltern stellvertretend und nach bestem Wissen und Gewissen für unsere Kinder. Also eine ziemlich lange Zeit, in der sich viele digitale Verbreitungsmöglichkeiten für Bilder bieten werden.

Ein letzter, mir bis vor kurzem gar nicht so bewusster Punkt ist noch: Wir geben mit jedem Bild biometrische Daten von uns und den Kindern preis. Darüber sollten wir wirklich ernsthaft nachdenken. Der oben genannte Tomas-Gabriel Rüdiger machte mich auf Facebook darauf aufmerksam. In der jüngeren Vergangenheit ist es Polizeibeamten aus England gelungen nur anhand eines Bildes einen Fingerabdruck zu erstellen – eine Praxis, die vermutlich Schule machen wird. Grundsätzlich ist das eine ziemlich effektive Sache – aber man überlege, was das für uns und unsere Verfolgbarkeit bedeuten kann, wenn so eine Technik in falsche Hände kommen sollte, denn:

Nicht alle Menschen haben das gleiche Verständnis von Bildrechten, so wie ich es habe! Ich bin die persönliche Datenschützerin meiner Kinder – und ich erfülle den Job so kompetent und verantwortungsvoll, wie ich es kann.

Peace – deine Provinzmutti Birgit

P.S.: Ich glaube nach wie vor an das Internet, und daran, dass wenn es möglichst viele Menschen möglichst vernünftig und wertschätzend nutzen, wir alle mehrheitlich davon profitieren. Solange wir und dem stets lauernden Daten-Missbrauch bewusst sind. Im besten Fall sind es nur Daten, und da bestimmen nur wir, was wir preisgeben.

Klickt euch unbedingt auch durch die anderen Beiträge der Blogparade – die Übersicht gibt´s hier.

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1 Kommentar

  1. Ein schöner Artikel zum Thema, und sehr ausführlich. Schmunzeln musste ich beim kitabeauftragten Fotografen. Der hat also eine _doppelte_ Fehlleistung abgeliefert. Unschöne Fotos UND Unwissen bezüglich des Datenschutzes. Wahrscheinlich verkaufen die auch munter Streetphotos aus Deutschland und schmücken ihre Website ungefragt mit dem letzten Hochzeits- und Babyshooting 🙂

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