Wie ich beschloss, dass mein Kleinkind trocken wird…

…mein Sohn war etwas über zwei Jahre, als ich beschloss, dass es Zeit ist für ihn trocken zu werden. Meine Tochter hat mir mit drei Wochen gezeigt, dass Babys sehr wohl ihre Ausscheidungsbedürfnisse kontrollieren können und ich kam in Kontakt mit dem Thema ‚Abhalten‘ und windelfrei (das ist ein Extra-Beitrag) leben.

Nachdem sie mir gezeigt hat, dass es möglich ist mit fast drei Monaten ausschließlich Pipi in die Windel zu machen und ich frustriert die Windeln mit den großen Geschäften meines Sohnes aus dem Fenster geworfen habe (…wir reden von einem Kleinkind, dass am vollen Nahrungsspektrum teilgenommen hat…), wusste ich, dass sich etwas ändern musste. Ich hatte bereits seit ca. einem Jahr viele kindgerechte Töpfchen-Geh-Bücher gekauft und gehofft, das würde etwas bei ihm bewirken – Fehlanzeige. Er fand die Bücher toll wie alle anderen auch und las sie gern mit uns zusammen. Nicht mehr und nicht weniger.

Mir war nach einiger Lektüre für mich als Mutter klar geworden, dass wir Eltern meinen Sohn in diese Lage gebracht haben, seine Ausscheidungsbedürfnisse nicht klar deuten zu können und dass wir folglich ihm behutsam helfen müssen, diese klar kennen zu lernen und ihm einen neuen Ort dafür schmackhaft zu machen, den wir alle auch benutzen. In der KiTa hieß es, er sei immer öfter mit trockener Windel unterwegs und würde langsam deren Toilette akzeptieren. Zuhause führte kein Weg rein am Anfang auf ein Töpfchen oder unser Klo – er ist ein Gewohnheitstier wie alle Kleinkinder, dass sensibel auf Veränderungen reagiert. Wir beschlossen nach Weihnachten, dass es Zeit war. Weihnachten war aufregend und im Januar haben wir ihn häufiger daheim gelassen um gemeinsam das Klo zu entdecken. Ich habe mir Rat geholt in einer Facebook-Gruppe und der dazugehörigen Internetseite www.windelwissen.de. Ich habe das WC gepimpt und ihm ein Bauernhof- und Traktoren-Klo gebaut – ja er liebt Traktoren und es hat tatsächlich den gewünschten Effekt gebracht.

Es saß da! Er blieb wirklich sitzen und schaute sich in Ruhe auf dem Pott die Bilder an. Nun wissen Eltern, die ein Potty-Training (Töpfchen-Training) machen, dass jetzt nur noch die „kleine Hürde“ mit den inneren Bedürfnissen dem Kind vermittelt werden muss. Wir haben ihm erklärt, dass er jetzt groß ist und keine Windel mehr braucht. Wir haben ihn ermutigt sie auszuziehen und ihn ohne Schlübbi einfach eine Hose angezogen. Ich hatte erfahren, dass der Schlübbi a) eh nur nass wird am Anfang und b) der Intimbereich eine Art Muskelgedächtnis hat und den Schlübbi als Windel interpretiert, und dem Kopf signalisiert ‚Ist o.k. – laufen lassen – Windel ist dran!‘. Also ab damit. Und ich hatte gelernt, dass wir Eltern am Anfang bestimmen wann das Kind auf die Toilette geht, damit es ein Gefühl dafür entwickeln kann, wann die Blase voll ist und es muss. Also haben wir immer wenn unsere Intuition uns das suggeriert hat zu ihm gesagt: „Es ist Zeit zum Pipi machen, wir gehen auf Toilette!“ Das hat erstaunlich gut funktioniert. Wir sind mit sitzen geblieben, er durfte sich Bücher mitnehmen und wir haben ihn immer (!) begleitet. Nach einer Woche und täglich ca. 1-2 nassen Hosen haben wir uns gaaaaaanz langsam auch wieder außer Haus getraut. Bis dahin sind wir nur zur KiTa und zurück, einkaufen gemeinsam war erstmal nicht drin oder Spielplatz ohne Windel, das hätte er in den ersten zwei Wochen noch nicht meistern können. Außerdem war es gerade Januar, und da wollten wir kein Kind mit einem Maleur duch die Kälte schleifen. Überhaupt habe ich mich zwischendurch gefragt, warum wir nicht schon viel eher als im Januar (HALLO MAMA WÄSCHEBERGE OHNE ENDE!!!) auf diese Idee gekommen sind. Bis dahin hatte wir aber von Auscheidungsskommunikation nicht mehr Ahnung als alle anderen Wegwerfwindel-Eltern auch… nämlich wirklich gar keine und den Glauben, das würde schon alles von allein kommen. Pustekuchen – dazu brauchte es das Tochterkind um dies zu lernen.

Aber er hat das sehr toll gemacht und überall erzählt „Ich bin schon groß, ich brauche keine Windel mehr! Wenn mal was daneben geht, zieh ich eine neue Hose an!“ Nach zwei Wochen hatte er langsam im Griff, wann er musste und es dann auch klar kommuniziert und wir rannten dann immer alle zusammen aufs Klo.

Das große Geschäft hat etwas länger gedauert, er hat jede unachtsame Sekunde unsererseits genutzt um sich in eine Ecke vom Zimmer zu stellen und es abzusetzen… Nunja. Auch hier habe ich mir in der o.g. Facebook-Gruppe Rat geholt und ihm das ganze mit Knete erklärt.

Der Play-Dough-Trick ist sehr hilfreich gewesen und mein Kleinkind fragte mich dann auf Toilette: „Wo is´n jetzt die Knete Mama?!?“ als er es, drei Wochen nach Beginn, endlich selbst gemerkt hat, was er musste und wann er es musste. Es war großartig und wir haben uns langsam an Aktivitäten außer Haus und Hof getraut. Unterwegs ging meistens nichts daneben. Selbst der erste Kindergeburtstag nach drei Wochen lief ohne Probleme. Es war super. Klar im  Notfall hatten wir natürlich Wechselsachen dabei.

Zum Nachmittagsschlaf und unter der Nacht hat er die Windel noch 3 Monate getragen und dann gesagt, dass er sie gar nicht mehr möchte. Wir haben Unterlagen gekauft und es klappte super. Wenn er nachts wach wurde gingen wir auf Toilette und dann schliefen wir weiter. Direkt nach dem Aufstehen ging es aufs Klo und danach wurde gekuschelt. Wir wissen heute das Babys und Kleinkinder in sogenannten Standart-Situationen:

  1. immer nach dem Wachwerden Pipi machen,
  2. nicht im Schlaf pinkeln (das hat die Evolution so eingerichtet, damit wir unser Nest nicht beschmutzen, sie pinkeln wenn dann in ihren Wachphasen, weil wir ihnen mit Windeln diese ureigene Körperkontrolle abtrainiert haben),
  3. und jedes Kind in irgend einer Form Signale sendet, wenn es mal muss (Unruhig werden, Verhaltensänderung, ruhige Ecke suchen, ‚in sich guggen‘ usw.)

Hätten wir das alles eher gewusst, hätten wir viel früher mit dieser Begleitung begonnen, denn, seien wir mal ehrlich: Ohne Windel ist schon schöner!

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