…über die Realität unseres Corona-Co-Working-Space als Coronaeltern

Heute ist der Tag vor den Winterferien in Thüringen. Seit dem letzten Lockdown haben wir ein Schulkind und nicht mehr drei KiTa-Kinder. Das hat den Alltag als Coronaeltern noch einmal massiv verändert.

Mein kleines Corona-Co-Working-Kind (2 Jahre) hat heute hinter mir mein Smartphone zerschmissen als ich am PC war. Während ich gestern Mails checkte, hat es sämtliche Marmeladengläser geöffnet und sie „ausgebaggert“ mit den Händen. Heute holte ich ihm Erbsen aus der Nase mit der Pinzette. Vorgestern rannte er nur mal schnell ins Haus (der Mann telefonierierte dienstlich) und saß mit Hühnermist an den Beinen auf dem weißen Sessel hinter mir. Dass er heute, ebenfalls während eines dienstlichen Gesprächs, in der Pfütze badete: Geschenkt.

Gestern verbrachten wir Coronaeltern drei Stunden damit, der Schule meines großen Co-Working-Erstklässlers mitzuteilen, dass wir mehr erwarten, als wöchentlich unsortierte Arbeitsblätter, die das Kind nicht selbst bearbeiten kann ohne, dass jemand von uns daneben steht. (Der andere Elternteil kann in der Unterrichtszeit übrigens auch nicht arbeiten, da K3, der Zweijährige sonst die Bude auseinander nimmt in seiner schier endlosen Kreativität).

Seit 4 Fernunterrichtswochen gibt es dort an der Grundschule kein Konzept für die Klasse, wie der Kontakt gehalten werden kann oder wie der Rückfluss der Arbeitsergebnisse, die wir Eltern kontrollieren, eigentlich organisiert wird. Mein Kind hat nur Mathe und Deutsch. Alle anderen Fächer sind gestrichen und finden sich im Homeschooling nicht wieder.
Mein Mittelkind (5) kommt während der Hetzerei zwischen Kind 1 und 2 relativ zu kurz. Mit ihr allein wäre Corona-Co-Working echt nice: Sie malt,bastelt, beschäftigt sich meistens und hat Verständnis, wenn ich sie vertröste. Ihre KiTa hält auch keinen Kontakt – ich habe dafür sogar teils Verständnis, weil die Notbetreuung ja auch geleistet werden muss.
Uns geht es gut, wir haben genug Raum für die Kinder auch mal raus zu gehen usw. – aber es ist jetzt bereits klar, dass wir wohl wie im Frühjar 10 Wochen daheim mit ihnen sind. Mindestens acht diesmal. Und keiner weiß wie lange es dauert und auch das Ministerium sagt es endlich offen.

Ich bin coronamüde. Vermutlich sind wir das alle. Ich habe keine Lust mich noch für besseren Unterricht einzusetzen, mir fehlt eigentlich die Zeit dazu.
Und ja: Wir haben uns das mit den drei Kindern echt gern so ausgesucht, nur eine Pandemie stand irgendwie nie auf meinem „Riskio-Schirm“.

Achso und an alle Dudes, die immer sagen, Coronaeltern können im Home-Office mit Kindern gut klar kommen, weil das Kleinkind ja auch mal schlafen würde: IN 40 MINUTEN LÄSST SICH KEIN 8 STUNDEN TAG AUFFANGEN! Und wenn deine Mutter 8 – 10 Kinder groß gezogen hat ohne Unterstützung, dann war sie vermutlich daheim und auch ihre Kinder konnten irgendwann in die Schule oder die großen Kinder haben auf die kleineren aufgepasst. Wir Eltern, die wir keine Notbetreuung in Anspruch nehmen, wir regeln momentan alles selbst: Betreuen, Kochen, Putzen, Erwerbsarbeiten. Parallel. Nicht nacheinander. Alles gleichzeitig.

Mein Tag beginnt 6 Uhr mit Care-Work, er endet 21.00 Uhr mit Care-Work. Dazwischen gibt es keinen Moment ohne elterliche Care-Work aber zwei Jobs die organisiert und abgearbeitet werden müssen. Es gibt keine Pausen, außer auf dem seltenen Weg ins Büro im Auto. Bekanntlich schläft und chillt es sich auch im Auto eher schlecht als recht.
Diese Woche war übrigens Jubiläum: 111 Lockdownmahlzeiten haben „nebenbei“ für fünf Personen zubereitet. Ohne Snacks und Vesper. Hier unsere Liste:
Ich hasse kochen! Wir hassen es, das jeden Tag abwechlsungsreich und nicht komplett ungesund zu machen.
So das war mein Pandemie-Frust – komprimiert für diese Woche. Du kannst deinen Frust gern in die Kommentare laden, irgendwo muss er ja hin 😉
Birgit

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1 Kommentar

  1. Anderes Bundesland, aber die Situation ist ähnlich. Frisch eingeschulter Erstklässler, Unterricht nur durch Wochenpläne, fast Vollzeitarbeit im Homeoffice und mein Mann zwischen 7:30 und 16:30 nicht da. Ich vermisse sein sonst normales 3 Schichtsystem. Aber jetzt kommt der Lichtblick – nächste Woche ist Präsenzwoche in der Schule. Niedersachsen hat ja am Wechselmodell für die Grundschüler festgehalten.
    Aber zumindest ist die Klassenlehrerin sehr bemüht und ruft regelmäßig an.

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