Elternzeitgeschichten – Anna, stillende Mama & working Mum

Ich habe bereits vor längerer Zeit zur Blogparade zum Thema #Elternzeitgeschichten aufgerufen – und ich freue mich immer über Nachrichten & Geschichten wie die folgende von Anna und ihrem Mann. Beide wollen sich ein Jahr in Teilzeit daheim um das Baby kümmern – ihre Hürden und guten Erfahrungen zum Thema #Elterngeld und Annas Wünsche dazu:

Hallo Birgit,

ich bin über den Instagram-Account „von guten Eltern“ zufällig auf deinen Blog gestoßen. Dein Beitrag über Elternzeitgeschichten fand ich spannend und da ich (wie ich finde) keine 0815-Elternzeitgeschichte habe, bin ich gerne bereit davon zu berichten. Vielen Dank dafür!

Falls du noch Fragen hast kannst du dich gerne bei mir melden.

Gruß

Anna

 

  • Wie habt ihr euch als Eltern, oder du als Alleinerziehende/er dich auf die Elternzeit und das Elterngeld vorbereitet?

Wir haben uns natürlich online informiert, waren dadurch aber nur verwirrt. Der Onlinerechner funktioniert in unseren Augen nicht immer intuitiv. Daher haben wir bei der örtlichen Volkshochschule einen Abend „Elterngeld“ besucht. Das war interessant und anhand praktischer Beispiele konnten wir das mit dem Elterngeld und der Elternzeit besser verstehen.

  • Was waren deine Hürden?

Erstens zum Elterngeld: Wir wohnen im Rhein-Sieg-Kreis. Da ich ein sehr strukturierter Mensch bin wollte ich alle offenen Fragen gerne vorher abklären. Leider bekam man telefonisch nur die schroffe Auskunft „wir beraten nicht“ obwohl das auf der Internetseite des Kreises so steht! Letztlich haben wir einen Antrag vor Geburt ausgefüllt, die fraglichen Stellen bunt markiert und sind persönlich auf dem Amt erschienen. Dort war die Sachbearbeiterin höflich und hat unsere fachlichen Fragen erklärt. Eigentlich waren wir soweit „fit“ das sie keine groben Fehler in unserem Antrag entdecken konnte. Mehr Freundlichkeit und Serviceorientiertheit wäre schön gewesen.

Der zweite Punkt ist zum Thema Elternzeit. Mein Mann hat studiert, ist aber einige Monate vor der Geburt durchs Studium gefallen. Es war jedenfalls klar das er keine Elternzeit nehmen konnte bzw. das es ihm nicht genützt hätte. Und 300 € Basiselterngeld sind bei so einer Situation ein Witz. Dazu kommt noch die Thematik Teilzeitarbeit für Männer zu der ich unten ausführlicher schreibe.

  • Wovor hattest du Angst?

Das unser Antrag falsch ist und nicht genehmigt würde. War aber nicht der Fall.

  • Worauf hast du dich gefreut? Worauf hat sich dein Partner / deine Partnerin gefreut?

Durch die o.g. Situation mit dem Studium war uns klar das wir als werdende Familie viel Zeit miteinander verbringen würden. Das war für mich ein Glücksfall da die ersten Monate für mich emotional sehr schwierig waren. Mein Mann war 6 Monate zu Hause bis er eine Teilzeitstelle gefunden hat.

  • Wie habt ihr die Monate fair aufgeteilt? [und fair meint in meinen Augen nicht 50/50 – wenn euer Leben gerade nur andere Modelle zugelassen hat – was waren eure Gründe dafür?]

Wie oben bereits genannt fiel mein Mann einige Monate vor der Geburt durchs Studium. Es machte in unseren Augen daher keinen Sinn kurz vor der Geburt einen Job zu suchen um dann nach ein, zwei Monaten Arbeit für eine Weile Elternzeit zu beantragen bzw. unter den Voraussetzungen hätte ihn vermutlich sowieso kein Arbeitgeber genommen. Mein Mann wollte zwei Monate zu Hause bleiben (d.h. bis Oktober) und dann in Teilzeitjob arbeiten. Denn sein ausdrücklicher Wunsch war (und ist) es sich auch um unseren Sohn zu kümmern. Das Wort Teilzeit ist aber bei den meisten Arbeitgebern ein No-Go. Sogar alle Zeitarbeitsfirmen sagten das er sich bitte melden solle sobald er in Vollzeit zur Verfügung stehen würde. Das hat mich tierisch geärgert. Vereinbarkeit von Männern ist auch nicht leicht.

Mein Mann war 6 Monate komplett zu Hause – hat jedoch nur die zwei obligatorischen Monate Elterngeld bezogen. Seitdem arbeitet er in Teilzeit drei Tage in der Woche. Fallen an den Tagen wo er mit unserem Sohn zu Hause ist Termine an (Kinderarzt, o.ä.) kümmert er sich darum, er wickelt, er füttert, er bringt ihn ins Bett. Und wenn unser Sohn nachts wach wird und gestillt werden will holt mein Mann ihn für mich aus dem Kinderbett (wir haben ein schweres Baby).

Ich selbst habe nach dem Mutterschutz wieder begonnen an zwei Tagen für jeweils 5 Stunden zu arbeiten. Milchpumpe sei dank war das auch kein Problem.

Das Modell, dass wir beide arbeiten aber immer einer von uns beiden zu Hause ist werden wir bis zum 1. Geburtstag unseres Sohnes beibehalten. Im Anschluss daran wird mein Mann in Vollzeit arbeiten und ich (damit ich kein Elterngeld zurückzahlen muss) auf 28 Stunden pro Woche aufstocken. Mit einem Jahr kommt der Sohn in die Kita.

Ich empfinde das von uns gewählte Modell als fair. So weiß jeder wie anstrengend es ist für ein Baby zuständig zu sein. An den Tagen wo ich arbeite können wir die Nachmittage als Familie weiterhin nutzen.

  • Was hat sich durch diese Zeit in eurem Leben verändert?

Ich bin nochmal dankbarer geworden für meinen tollen Ehemann. Nicht jeder Vater ist bereit sich so intensiv um sein Kind zu kümmern und sich auch beruflich für eine Zeit zurück zu nehmen. Wir können den anderen besser verstehen wenn er sagt wie anstrengend die Stunden alleine mit Kind waren. Und doch hat jeder die Möglichkeit mit dem Sohn zu agieren ohne das der andere sagt „mach das besser so“.

  • Habt ihr alle Monate ausgeschöpft?

Nein. Die Partnerschaftsmonate werden wir nicht nutzen können. Der Arbeitgeber meines Mannes möchte sobald unser Sohn die Kita besucht das mein Mann in Vollzeit arbeitet. Dadurch das mein Mann die letzten 6 Jahre studiert hat und mittlerweile 30 Jahre alt ist macht es Sinn (wegen der Rente).

  • Habt ihr (für nach Juni 2015 Geborene) ElterngeldPlus bezogen und einer ist bewusst verkürzt arbeiten gewesen?

Ja, ich habe mich bewusst für ElterngeldPlus entschieden. Ich liebe meine Arbeit und mein Arbeitgeber ist mir sehr entgegen gekommen. Ich habe für das erste Jahr Elternzeit eine wöchentliche Arbeitszeit von 10 Stunden vereinbart (theoretisch müsste man mir ja nur eine Stundenanzahl zwischen 15 und 30 Stunden während der Elternzeit genehmigen). Im zweiten Jahr will ich auf 28 Stunden aufstocken. Ein Jahr komplett zu Hause zu bleiben hätte ich mir nicht vorstellen können. Nur das Kind zu betreuen hätte mich an meine psychischen Grenzen gebracht. Ich genieße die Möglichkeit mit den Kollegen die neuesten Programmupdates mitzubekommen, kleine aber wichtige Aufgaben zu übernehmen und meinen Kollegen bei Fragen zur Verfügung zu stehen.

  • Hat der Wiedereinstieg bei beiden wieder geklappt? Wenn nicht: Was waren die Probleme?

Mein Wiedereinstieg war ja sofort nach dem Mutterschutz. Das war nicht das Problem. Man muss aber selbst am Ball bleiben. Schon während des Mutterschutzes bin ich auf die Kollegen zugegangen und habe nach Updates auf der Arbeit gefragt, Besuche gemacht, zu Hause Newsletter gelesen.

Entscheidender und komplizierter fand ich die Kommunikation mit dem Arbeitgeber bevor ich in Mutterschutz und Elternzeit gegangen bin. Hier verlangte mein Vorgesetzter innerhalb von einem Tag plötzlich eine Information über Stundenanzahl und Anzahl der zu verteilenden Arbeitstage.

  • Und ein wichtiger Punkt: Hat die Auszahlung des Geldes reibungslos funktioniert? Wie lang hat es gedauert vom Antrag bis zum Euro auf dem Konto? [von K1 – geboren 2013 – haben wir im Januar 2018 einen end-end-gültigen Bearbeitunsgsstand bekommen]

Die Auszahlung hat von Anfang an reibungslos funktioniert. Unser Sohn wurde im August 2017 geboren, den Antrag haben wir ein paar Tage später abgegeben und nochmal ein paar Wochen später kam der Bescheid und das erste Geld wurde ausgezahlt.

  • Für ArbeitnehmerInnen: Waren eure Arbeitgeber dem Thema gegenüber aufgeschlossen und vor allem: informiert?

Mein Vorgesetzter hatte keine Ahnung wie das mit Elternzeit und Elterngeld funktioniert. Die Personalabteilung war da hilfreicher. Sie haben mir Simulationsrechnungen zur Verfügung gestellt – der Elterngeldantrag benötigt das zu erwartende Einkommen. Das wurde mir dann schnell zur Verfügung gestellt.

Übrigens hat mich die Personalabteilung auch über stillende Mütter und ihre Rechte informiert. Bei uns im Bürogebäude gibt es einen Ruheraum den ich dann auch regelmäßig zum Abpumpen bzw. Baby stillen genutzt habe. Und das diese Zeit als Arbeitszeit gilt finde ich fantastisch.

  • Wenn du könntest: Was würdest du optimieren? Was wären deine Wünsche?

Beim Elterngeld hätte ich mir mehr Beratung gewünscht. Jemand der einen an die Hand nimmt und evtl. Alternativen durchrechnet bzw. darauf hinweist bei welchem Verdienst in der Elternzeit man Elterngeld zurückzahlen muss.

Was ich persönlich bedenklich finde ich der Verdienstzeitraum von 12 Monaten vor Geburt des Kindes. Dadurch das ich ein gutes Einkommen hatte war das Elterngeld auch entsprechend hoch. Wenn wir noch ein zweites Kind bekommen wollen werden wir gezwungen das ich (am Besten) ein Jahr in Vollzeit arbeite um wieder den Höchstsatz Elterngeld zu bekommen. Das finde ich schade.

Was mich persönlich auch leicht nervös gemacht hat ist die Tatsache das ich eine Woche nach der Geburt meines Kindes meinem Arbeitgeber mitteilen musste wann ich mit wie vielen Stunden wieder zu arbeiten beginne. Bei mir hat es glücklicherweise alles reibungslos funktioniert und ich arbeite in einem großen Unternehmen wo meine Aufgaben temporär umverteilt wurden. Trotzdem ist es schwierig so schnell einzuschätzen ob man mit DIESEM Kind die vorher überlegten Arbeitsstunden erbringen kann. Da würde ich mir mehr Flexibilität wünschen.

Ein weiterer Punkt der das Thema Elternzeit nur am Rande ankratzt ist das Thema Milchpumpe. Als arbeitende und stillende Mutter würde ich mir wünschen das man länger als die obligatorischen 6 Monate rezeptfrei an eine Milchpumpe kommt. Mein Sohn ist jetzt 8 Monate alt und wird weiterhin gestillt. Wir können es als Familie zwar organisieren das mein Sohn zum Stillen zu mir auf die Arbeit kommt aber es ist ein hoher Aufwand das hinzubekommen.

Grundsätzlich finde ich die Möglichkeit Elterngeld und Elternzeit jedoch gut. Ich bin dankbar dafür das ich in dieser Zeit auch variieren kann mit meinen Arbeitsstunden. Es ist ein ausprobieren, testen, schauen was zur eigenen Familiensituation passt.


Liebe Anna,

ich danke dir sehr für deine Geschichte und das ich sie hier veröffentlichen durfte.

Ich wünsche dir und deiner Familie alles Liebe,

Birgit

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.