Blogfamilia 2018 | Klassentreffen der Elternblogger im Real-Life

Ich war am Wochenende auf einem Klassentreffen in Berlin mit Menschen, mit denen ich gern in der Schule gewesen wäre. Die ich gern öfter sehen würde. Ungefiltert im Real-Life. Das Klassentreffen ist DAS jährliche Zusammenkommen von 180 Familien-BloggerInnen auf der Konferenz Blogfamilia – ein Fest für Seele, Verstand und Herz.

 

Blogfamilia – was ist das eigentlich?

Das klingt pathetisch? Ja mag sein. Aber ich habe dieses Jahr die Konferenz genauso in Erinnerung. Nach so einem intensiven Tag rauscht der Kopf. Ich bin berauscht und der Zustand fühlt sich gut an. Bloggen – das ist so ne virtuelle Sache, da bekommt man nicht immer Feedback, da schießt man auch mal Informationen einfach nur so raus ins world wide web. Die Konferenz Blogfamilia bringt viele dieser online Eltern zusammen – also die, die einen Blog führen, und damit Elternschaft digital sichtbar machen. Organisiert wird diese Konferenz vom Verein Blogfamlia e.V. – er steht für Austausch, Vernetzung und Weiterbildung. Diesen Anspruch ziehen die OrganisatorInnen komplett durch: Wer eines der Tickets ergattern konnte, den erwarteten 14 Panels voll mit Wissen für den Verstand, Speakerinnen im Plenum für die Seele und dazwischen ein spannender Austausch für das Herz mit „den anderen aus dem Internet“.

Feiert ihr euch selbst auf der Blogfamilia?

Ja ein bisschen auch das. Aber es waren auch sehr ernste Töne in den Ansprachen des Grußwortes von der Bundesministerin für Familie, Frauen und Jugend: Dr. Franziska Giffey und der Key Note der Chefredakteurin von EDITION F, Teresa Bücker zu hören. Die Ministerin lobte, dass ElternbloggerInnen den Alltag in die digitale Welt bringen und so eine Verbindung zwischen offline und online herstellen, was für die Politik bereichernd sei. Bemerkenswert fand ich ihre Definition von Familie: „In einer Familie kümmern sich Menschen umeinander!“ – PUNKT. Wenn wir diesen Fakt endlich steuerlich und gesellschaftlich berücksichtigen, dann haben endlich alle Formen von Familie gleiche Chancen. Egal wer sich da nun um wen kümmert, oder ob die Menschen verheiratet sind. ‚Jedes Kind soll es packen können‘ – das ist ihr Anspruch. Die Lücken in der Gesellschaft aufzuzeigen, wo das (noch?) nicht möglich ist: Das können ElternbloggerInnen anteilig leisten, indem sie den Fokus setzen auf Themen, die relevant sein sollten.

„Unterstützt die Kämpfe der anderen!“

…das fordert Teresa Bücker. Es ist auch die Aufgabe der bloggenden Eltern, die Familien die, aus welchen Gründen auch immer nicht bloggen, sichtbar zu machen. Verantwortungsübernahme abseits der eigenen Filterblase. Das find ich sehr wichtig und möchte mit der Blogparade #Elternzeitgeschichten meinen Teil dazu beitragen. Vielstimmigkeit, viele Lösungen, viele Formen davon was und wie Familie sein kann – das können ElternbloggerInnen sichtbar machen mit ihren Mitteln. „Wenn der Text auch nur für einen Menschen hilfreich war, dann ist er gut!“ – so Bücker. Die Frage was „Erfolg“ beim Bloggen bedeutet würde ich persönlich genauso beantworten: Wenn es einem Menschen geholfen hat, das zu lesen was ich geschrieben habe, dann ist der Text ein Erfolg. Dann hat es Sinn gemacht ihn aufzuschreiben. Und wenn es nur ich bin, die am Ende wieder klarer denken kann. In der Regel profitiert dann mein direktes Umfeld von meiner neuen Klarheit. Wir sind alle irgendwo digitale Narzissten. Wir mögen likes, Klicks oder Herzen. Wir müssen, so Bücker, das immer reflektieren, damit wir selbst nicht unbeabsichtigt Maßstäbe mit unserer ‚online Show‘ setzen, die andere Eltern als Belastung oder unerreichbar empfinden.

In ihrer Key Note sprach Teresa einen weiteren wichtigen Punkt an: Faireinbarkeit – und trifft damit auf meine Ansichten, was für mich gutes Leben ist.

„Wir alle müssen weniger arbeiten, es ist nicht normal ständig an Rande der Erschöpfung zu leben!“

Menschlichkeit muss im Mittelpunkt stehen, das Geld aus 20 – 30 Stunden sollte zu einem guten Leben reichen. Für alle Berufe. Damit noch Zeit für Soziales und Care-Work bleibt. Und für uns selbst. Damit wir den Kindern mal nicht irgendwann sagen: Mach was anderes, davon kannst du nicht leben. „Wir sind mehr als unsere Arbeit und Berufe!“ schließt sie und ich hatte ganz oft das Gefühl bei ihrer Rede, sie sofort umarmen und drücken zu wollen, weil vieles davon auch meine Sichtweise ist. Die ganze Key-Note mit dem Titel „Immer erschöpft sein ist nicht normal – warum Familien die 20-Stunden-Woche brauchen“ gibt´s bei Edition F zum Nachlesen.

Wie läuft das mit der Weiterbildung?

Es gab insgesamt 14 Panels, oder Workshops, in denen es um die unterschiedlichsten Dinge ging: Gesundes Aufwachsen im digitalen Zeitalter, Kindergesundheit, Leben im postdigitalen Zeitalter, Kamera-Coaching, Content Generierung, Absicherung im Todesfall, Podcasting, Fake-Influencer, Hate-Speech oder Pinterest und digitale Familienpolitik. In den beiden letzteren war ich – auch wenn ich gern in mehr Workshops gewesen wäre, weil so viele spannende Angebote dabei waren.

Digitale Familien-Assistenten – Familienangebote der Zukunft

Selbst in der digitalen Vision macht uns der Föderalismus zu schaffen: Wenn man an solchen Visionen mitarbeitet und ein grobes Verständnis von Länderrechten und Bundespolitik hat, dann wird einem das schnell klar. Aber warum soll man als Eltern nicht trotzdem diesen Anspruch an Politik haben? Also haben wir gesponnen, wie Elternhelfer oder Chatbots aufgebaut sein sollten. Ein Workshop auf Augenhöhe mit dem Bundesfamilienministerium. Sehr spannend und gleichzeitig ernüchternd. Aber: Das Elterngeld soll bald online beantragbar sein – allein dieser Fakt lässt in mir den Wunsch nach Nummer 4 reifen, um das einmal machen zu können. Bis Nummer 3 geboren wird, wird es diese Option leider noch nicht geben in 4 – 5 Wochen. Jeder der mal wegen X Unterlagen X mal im Amt war wird sich darüber freuen. Wer mal im Elterngeldbezug umgezogen ist, und dann aber alles mit der kommunalen Behörde regeln musste, wo das Kind geboren wurde aber nicht mehr lebt – jedenfalls jeder der einmal so ein Hickhack mitgemacht hat, der freut sich über die online Möglichkeit für solche Anträge. Allein die Zeit, die man mit Neugeborenem unterm Arm nicht fahren muss, ist es wert diese Option zu nutzen.

Pinterestlens – wie krass ist das denn bitte?

Pinterest ist seit diesem Jahr mehr auf meinem Schirm. Vor allem, seit ich gesehen habe, das meine Mama mehr Follower hat als ich. Wenn meine fast 70 Jährige Mama das kann – na dann muss ich da auch mal rein schauen. Wobei bei Pinterest gilt: Reichweite vor Followerzahl. In jedem Fall ein spannendes Netzwerk, das ich Dank Sophie von Berlin Freckles noch ein bisschen besser verstehe. Und das obwohl – wie im letzten Jahr auch – mein Akku bei Sophies Workshop leer war. Also nicht körperlich aber der vom Smartphone – auf einer Onliner-Konferenz löst das fix Herzrasen aus.

Die krasseste neue Option für mich ist Pintrestlens – das ist das kleine Kamera-Symbol neben der Text-Suche. Man kann damit zum Beispiel eine Torte fotografieren und das Netzwerk sucht mir dann Rezepte für Torten, die aussehen wie die auf meinem Bild aus. Freaky und spooky zugleich – wenn man mal überlegt, was so was für eine Gesichts-Suche bedeuten kann…

Seelen-Schmeichler auf der Blogfamilia

Ich sag mal einfach „hex hex!“ – wer Probleme mit Schlagfertigkeit hat, dem sei eine Session bei Nicole Staudinger empfohlen. Schlagfertigkeit ist ja meistens das, was einem auf dem Weg nach Hause einfällt. Wer aber mal Tipps und Tricks möchte, um schnell den Schutzschild um die Seele aufzubauen, der sollte sie mal live erleben.

Eine sympatische Mama, die bereits einiges im Leben durch hat, um dahin zu kommen wo sie heute ist. So wie wir alle.

Wie wird das finanziert?

Die Tickets sind streng limitiert für diese Konferenz und daher wird die Konferenz über Sponsoren getragen. Das heißt, Firmen, die in der Regel auch auf Blogger-Realations setzen, geben Geld und Goodies, damit die Konferenz neben all dem ehrenamtlichen Engagement überhaupt möglich wird. Ein Sponsor übernimmt sogar Fahrtkosten für bloggende Eltern, die sich sonst die Konferenzteilnahme nicht leisten könnten. Das ist nur ein sozialer Aspekt von vielen, die ich sehr schätze. Ich habe erst daheim die Goodie-Bags ausgpackt und es ist einfach ein Wahnsinn, was da alles drin ist:

Austausch – Vernetzung – Weiterbildung – mein Kopf rauscht noch immer, aber die ersten Eindrück habe ich euch in diesem Beitrag gesammelt und formuliert. Wenn du nächstes Jahr selbst auf die Konferenz möchtest: Abonniere am Besten den Newsletter, damit du die Anmeldung nicht verpasst. Die Tickets sind in der Regel ganz schnell vergriffen und die Wartelisten dann lang.

Das Geld der Tickets geht wieder in soziale Zwecke: Die Blogfamilia Awards. Was das ist und wer gewonnen hat: Bitte hier nachlesen. Nur so viel: Ich hatte Tränen in den Augen. Wie auch im letzten Jahr!

Für mich war die diesjährige Konferenz ein wundervolles Erlebnis, genau wie die vom letzten Jahr. Sie gab mir auch die Möglichkeit nochmal vor Kind 3 mit dem Papa ein Wochenende in Berlin zu verbringen – und damit 55 Stunden ohne Kind 1 und 2. Wir hatten unser Hotel extra in Charité Nähe gebucht – eine Konferenz in der 36. Schwangerschaftswoche ist ja doch recht nah am Entbindungstermin. Aber hiermit verkünde ich: Es ist kein Berliner – das Kind ist noch da wo es hingehört. Im Dorf wurde nämlich gleich gefragt, warum die Kinder nur mit Oma und Opa unterwegs sind – da mussten sie erstmal ne Weile dementieren. Aber ich mag das. Genau das. Das Dorf, die Familie und hin und wieder mal die Großstadt besuchen.

Danke Team Blogfamilia! Ihr seid alle greatartig. Alle.

Birgit

P.S.: Und ein nochmaliger Dank an alle Sponsoren, denn ohne die, wäre dieses Format so nicht denkbar. DANKE

Und so sehen die anderen BloggerInnen die Blogfamilia…

Und: Ich habe ein Dinogramm bekommen von Heavy-Saurus – mein kleines Higlight auf der Blogfamilia. Eine Heavy-Metall-Band für Kinder und Eltern (…die normale Kinder-Musik satt haben 😉 )

…ach es gäbe noch so viel zu erzählen… kommt einfach selbst nächstes Jahr.

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