Nach Furz kommt Festland…

…wie wir zum Thema windelfrei / Abhalten gefunden haben:

Jeder und jede die nicht gern über die Ausscheidungen von Kindern spricht – hört genau jetzt auf zu lesen 😉 Alle anderen dürfen gerne meine Erfahrungen zum Thema Pipi, Kacka & Co vom Milchmädchen lesen.

Das Milchmädchen war gerade drei Wochen auf der Welt, da fiel uns Eltern auf, dass sie immer erst ihr Geschäft verrichtete, wenn die Windel offen war und wir gerade am Wickelplatz waren. Vorher meckerte sie, ähnlich wie eine Ziege, und zeigte deutlich an, dass ihr was nicht passte. Nun waren wir bis zu diesem Zeitpunkt „Pampers-Eltern“ und hatten ja noch einen kleinen Windelscheisser von zwei Jahren. Wir hatten also keine Ahnung von Ausscheidungskommunikation mit Neugeborenen. Als ich auf dem Spielplatz mit einer befreundeten Hebamme über unser „Wickel-Problem“ sprach meinte sie nur trocken: „Na wenn es ihr in der Windel offensichtlich unangenehm ist, dann haltet sie doch mal ab!“. Ganz ehrlich: Ich habe sie für verrückt erklärt, ‚je ne is klar‘ gedacht und wir gingen über zum nächsten Thema oder haben die Bengel weiter beaufsichtigt. Jedenfalls an diesem Abend daheim muckerte und meckerte das Milchmädchen wieder kräftig herum. Wir wollten baden und ich dachte, naja probieren kann ich das ja mal. Hab sie in die Abhalteposition über ihrer Windel gebracht und flutsch war das Geschäftchen erledigt. Wir Eltern staunten Bauklötze und badeten in Ruhe die Kinder weiter.

Windelfrei – das ist doch was für Freaks!

Am Abend begann ich zu lesen im Netz und fand alsbald auch einige Hinweise zum Thema „windelfrei“ „abhalten“ und „Auscheidungsskommunikation“. Neuland! Das Milchmädchen zeigte uns weiter wenn sie musste, und wir lernten zügig wie und wann sie abgehalten werden mochte. Wir hielten sie meistens über dem Waschbecken ab und unterwegs fragten wir Freunde oder Bekannte im Vorfeld, putzten im Anschluss das Waschbecken oder beugten uns über Toilettenschüsseln mit ihr herunter. Selbst als ich in der Klinik mit der Gallenblasen-OP war mit ihr, konnte ich sie immer abhalten. Zwar direkt nach der OP etwas schmerzhaft, da sie mir direkt auf die Narben drückte aber dennoch: auch hier funktionierte es. Beim Zahnarzt war sie dann ein kleines Highlight als wir Eltern zum jährlichen Besuch aufschlugen und das zarte Wesen über dem  Pott seinen Muttermilchstuhl entlud. Ich glaube so viele Menschen haben ihr noch nie über die Schultern dabei zugesehen. Es war eine witzige Situation: Ich saß auf dem Zahnarztstuhl und mein Mann erklärte geduldig den Schwestern, dass er keinen Wickelplatz benötige sondern ein Klo für das merklich unruhig werdende Milchmädchen. Es folgten Tage, da hatte sie fast keine nassen Windeln, denn auch Pipi zeigte sie uns immer mehr an und wir erkannten ihre Signale besser. Also beschlossen wir auf Stoffwindeln umzusteigen und ich ergatterte günstig über Kleinanzeigen Höschenwindeln und Einlagen.

Abhalten – es funktioniert tatsächlich

Mit vier Monaten begann sie sich zu drehen und robbte oder kullerte zwischenzeitlich mit 5/6 Monaten sogar in Richtung Toilette, wenn sie musste. Noch immer sorgte sie mit ihrem Verhalten für viele Verwunderte, wenn wir unterwegs waren oder sie mal unruhig wurde auf Omas Schoß und zu weinen begann ohne einen für Oma ersichtlichen Grund. Auch Oma hat dann nach und nach verstanden, dass das Milchmädchen nicht geschleppt werden wollte wenn es hubbelte und meckerte, sondern dass sie sich mal entleeren musste, und ihr Geschäft nicht auf ihr verrichten wollte. Wir haben sie in Position gebracht und ihr einen Signallaut gegeben ‚Psscccchhhhhhh‘ zischen für Pipi und scharf ‚Ka-Ka‘ für das größere Geschäft. Das hatte ich in dem einzigen windelfrei Buch gelesen, dass ich mich gekauft hatte. Dieser Laut zeigt den Zwergen: „Jetzt kannst du dich entleeren, toll dass du bisher angehalten hast.“

Als sie ca. 7 Monate war habe ich sie während ihres #Dreitage-Fiebers ausschließlich getragen, und zwar Haut auf Haut. Ohne, dass sie mich einmal angenässt hat. Sie wurde wach, hubbelte wenn sie musste oder suchte nach der Brust wenn sie Milch brauchte. Das waren beeindruckende Tage so nah mit ihr!

Jetzt ist sie gerade 9 Monate alt. Sie kann krabbeln, seit sie sieben Monate ist und hangelt seit sie 8 Monate ist. Mit jeder neuen Fortbewegungsart müssen wir ihre Zeichen neu lernen. Dann ändert sich alles für sie aber das Meckern und Schimpfen ist geblieben. Besonders deutlich, wenn sie im Hochstuhl sitzt und sich immer aufstellt und hinsetzt, weil sie nicht in ihren Exkrementen landen will. Dann sprinten wir mit ihr aufs Töpfchen. Dort verrichtet sie ihr Geschäft seit Beikostbeginn mit 6 Monaten zuverlässig. Wir lassen sie immer nach dem Schlafen oder Essen/Stillen auf das Töpfchen um sich entleeren zu können. Manchmal sind ihre Windeln in der Früh komplett trocken. Uns selbst erstaunt das immer wieder. Manchmal lassen wir sie tagsüber auch ohne Windeln, aber mit der Mobilität ist es schwerer geworden zu erkennen wann sie muss und wir haben auch nicht immer ein Auge auf sie, schon gar nicht wenn der kleine große Bruder noch mit da ist. Da haben sich die Stoffwindeln bewährt und jede Woche reicht mir 1 Wäscheladung davon.

Wenn sie krank ist, einen Infekt hat oder einen Zahn bekommt, dann bekommen wir auch nicht immer alles sofort signalisiert oder liegen mal komplett daneben und haben auch mal einen Kaka-Windel – aber einen Nackenschiss, wie wir sie vom Pampers-Kind noch kennen – das hatten wir mit ihr nie. Und wir wundern uns immer, wie wir das über zwei Jahre beim Großkind ausgehalten haben, denn so ein Beikostschiss riecht nicht gerade super und diese Rückstände am Baby-/ Kleinkindpo… ich gehe nicht weiter ins Detail.

Das Kack-Radar

Jedenfalls sind wir zuversichtlich ihre Signale auch weiterhin zu verstehen und haben eine Menge Intuition im Rahmen dieser Ausscheidungsskommunikation entwickelt. Wobei der Papa meint, dass ich, die Provinzmutti, das bessere Kack-Radar besitze. Das gilt unter Abhalte-Eltern dann wohl als Kompliment denke ich mir 😉 und wir beide haben gelernt: Nach Furz kommt Festland – also ab auf´s Töpfchen mit dem Milchmädchen.

Ob sie damit jetzt eher trocken wird? Wir wissen es nicht. Afrikanische Babys sind im Schnitt mit fünf Monaten trocken, für die sind wir sicher spät dran. Aber wann und wie, das wird sie uns schon kommunizieren – wenn wir uns Bemühen sie zu verstehen.

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